Hinweis: Wir verlinken Produkte bevorzugt über Amazon (Affiliate-Tag beyertechsolu-21 — für Sie ändert sich am Preis nichts). Bei Komponenten, wo Amazon die benötigte Qualität oder Zertifizierung nicht zuverlässig führt (Präzisions-Shunts mit 0,1 % Toleranz, VdS-konforme MC4-Sicherungen nach DIN EN IEC 60269-6), linken wir direkt zum Spezialhändler. Content-Integrität geht uns über Provision.
Was die EcoFlow App zeigt, aber Home Assistant nicht
Im letzten Beitrag haben wir die EcoFlow Stream-Familie und die Anker SOLIX Solarbank im Detail verglichen und eine klare Empfehlung für drei typische Szenarien abgegeben. Ein Punkt ist dabei bewusst offen geblieben, weil er einen eigenen Artikel verdient: Was passiert, wenn Sie eine Stream Ultra oder Stream Ultra X mit vier separaten PV-Strängen betreiben und jeden Strang einzeln im Home Assistant Energy Dashboard sehen wollen?
Die ernüchternde Antwort: Die EcoFlow App zeigt die vier Einzelwerte problemlos an, jeder MPPT bekommt seinen eigenen Leistungsbalken. Sobald Sie die Daten über die EcoFlow Cloud API oder die HACS-Integration tolwi/hassio-ecoflow-cloud in Home Assistant ziehen, bleibt genau ein Sensor für die gesamte PV-Erzeugung übrig. Vier Stränge werden zu einer Summe verschmolzen. Das ist kein Bug, sondern eine bewusste Entscheidung seitens EcoFlow, die in den Upstream Issues #582 und #584 dokumentiert ist. Für Anwender mit vier unterschiedlich ausgerichteten Strings (etwa zwei Ost-, ein Süd- und ein Westdach) oder bei einem schwächelnden Panel steht man vor einem Loch in der Monitoring-Kette. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie es mit einer sauberen Hardware-Lösung schließen.
Warum EcoFlow keine Per-PV Daten liefert
Wir haben beide öffentlich dokumentierten Schnittstellen getestet, einmal die klassische EcoFlow Cloud API und einmal die neuere Developer API. Das Ergebnis ist identisch: Die aktuelle Firmware der Stream-Familie emittet zwar die MQTT-Topics powGetPv bis powGetPv4, stellt darüber aber nur die Summenleistung zur Verfügung. Die echten Per-PV Werte kommen als plugInInfoPv{,2,3,4}Amp und plugInInfoPv{,2,3,4}Vol, die sind in den öffentlichen API-Schemas nicht dokumentiert. Die mobile App nutzt offenbar einen privaten Endpoint, der die Einzelwerte direkt vom Gerät abgreift, der ist aber nicht freigegeben und kann mit jedem Firmware-Update verschwinden.
Sie haben also drei Optionen. Erstens: Akzeptieren, dass die Summe reicht. Zweitens: Mit mitmproxy den App-Traffic abfangen, den privaten Endpoint reverse-engineeren und in Home Assistant nachbauen. Das ist in drei bis fünf Stunden machbar, kostet null Euro, ist aber fragil. Drittens: Die Hardware-Route gehen und ein physisches Per-PV Monitoring direkt im DC-Pfad bauen. Diese dritte Option ist der Fokus des Artikels, weil sie unabhängig von EcoFlow, der Cloud und künftigen Firmware-Änderungen stabil läuft.
Die Hardware-Lösung: ESPHome plus INA228
Das Konzept ist simpel und in der Elektronik-Community seit Jahren etabliert. In den Minus-Pfad jedes PV-Strings wird ein niederohmiger Präzisions-Shunt von typischerweise zwei Milliohm eingeschleift. Über diesem Shunt entsteht bei fließendem Strom eine kleine Spannung von wenigen Millivolt. Ein INA228 Power Monitor von Texas Instruments misst diese Shunt-Spannung mit 20 Bit Auflösung, erfasst die Bus-Spannung des Strings und liefert Leistung, Strom und Spannung über I2C direkt an einen ESP32. Der ESP32 läuft mit ESPHome und ist in Home Assistant über die native ESPHome-Integration eingebunden.
Warum nicht einfach ein Shelly? Der Shelly Pro 3EM und der Shelly Plus 1PM messen ausschließlich AC und können mit einem PV-String vor dem MPPT-Eingang nichts anfangen. Für die DC-Messung bei bis zu 60 Volt Leerlaufspannung und 14 Ampere Kurzschlussstrom braucht es einen DC-Shunt-Monitor. Der INA228 ist hier Stand der Technik: 85 Volt Common-Mode-Range, 20 Bit delta-sigma Wandler, I2C mit vier wählbaren Adressen (0x40, 0x41, 0x44, 0x45), genau passend für vier parallele Messungen an einem ESP32.
Bestellliste mit aktuellen Preisen (April 2026)
Die folgende Liste entspricht unserem eigenen „Sensible Build“ für einen Stream Ultra mit vier MPPTs. Die Preise sind Stand April 2026 und beinhalten keinen Versand. Wir listen pro Komponente die Amazon-Variante zuerst (mit Affiliate-Tag, Prime-fähig) und darunter den günstigeren oder qualitativ besseren Spezialhändler als Alternative. Bei Präzisions-Shunts und VdS-konformen MC4-Sicherungen entfällt die Amazon-Variante, weil der Markt dort nicht mit der nötigen Qualität liefert.
| Komponente | Händler | Einzelpreis | Menge | Summe |
|---|---|---|---|---|
| 1. INA228 Breakout-Boards | ||||
| Adafruit INA228 (kompatibel, Art. 5832) | Amazon.de | ca. 22,00 EUR | 4 | 88,00 EUR |
| Alternative direkt vom Fachhändler (günstiger) | Eckstein Shop | 17,95 EUR | 4 | 71,80 EUR |
| 2. Präzisions-Shunts (kein Amazon-Ersatz: 0,1-Prozent-Toleranz nötig für 20-Bit-Auflösung) | ||||
| Isabellenhütte PBV R002 (2 mΩ, 0,1 %, 3 W) | Mouser DE | ca. 6,50 EUR | 4 | 26,00 EUR |
| 3. ESP32 Controller | ||||
| ESP32-S3-DevKitC-1-N8R2 | Amazon.de | ca. 13,00 EUR | 1 | 13,00 EUR |
| Alternative ohne Prime, gleicher Preis | BerryBase | 13,50 EUR | 1 | 13,50 EUR |
| Budget-Variante: ESP32 NodeMCU | Amazon.de | ca. 10,00 EUR | 1 | 10,00 EUR |
| 4. MC4 Sicherungen (gPV, Pflicht nach DIN EN IEC 60269-6 — kein Amazon-Ersatz: VdS-Zertifikat nötig) | ||||
| Dietronik SH15 MC4 Sicherungshalter (15 A, 1000 V DC, IP67, VdS) | Dietronik | 7,39 EUR | 4 | 29,56 EUR |
| 5. Gehäuse und Kleinteile | ||||
| IP65-Gehäuse ca. 160×80×57 mm | Amazon.de | ca. 12,00 EUR | 1 | 12,00 EUR |
| Alternative: BOPLA Industriegehäuse 160×80×57 IP65 | Reichelt | 9,50 EUR | 1 | 9,50 EUR |
| Reihenklemmen 2,5 mm² (Phoenix-kompatibel) | Amazon.de | ca. 2,50 EUR | 8 | 20,00 EUR |
| Alternative: Phoenix UT 2,5 Original | Reichelt | 1,95 EUR | 8 | 15,60 EUR |
| DuPont Jumper Set 20 cm | Amazon.de | 4,50 EUR | 1 | 4,50 EUR |
| Kleinteile-Set (Aderendhülsen, Schrumpfschlauch, M16-Verschraubungen, Hutschiene) | Amazon.de | ca. 25,00 EUR | 1 | 25,00 EUR |
| USB-C Netzteil 5 V / 2 A | Amazon.de | 7,99 EUR | 1 | 7,99 EUR |
| Sensible Build über Amazon (Prime-fähig, ein Bestell-Vorgang) | ca. 180 EUR | |||
| Budget-Build mit Spezialhändlern (günstigere Einzelpreise, mehrere Bestellungen) | ca. 162 EUR | |||
| Premium-Build (Isabellenhütte PBV-Shunts, ESP32-S3-DevKitC, BOPLA, VdS-Sicherung) | ca. 212 EUR | |||
| Versand (Amazon Prime kostenlos, Spezialhändler ca. 5 EUR pro Shop) | 0–25 EUR | |||
Als Low-Cost-Alternative gibt es INA228-Clone-Module auf AliExpress, die den Gesamtpreis auf rund 110 Euro drücken können. Der Haken: Drei bis vier Wochen Lieferzeit, abweichende Footprints, keine Stemma-QT-Kompatibilität und stark schwankende Kalibrierqualität. Für eine reproduzierbare Messung bleiben wir bei den deutschen Händlern und dem originalen Adafruit-Design.
Wiring und Aufbau
Der Shunt sitzt in jedem PV-String im Minus-Leg, direkt zwischen Panel und MPPT-Eingang der Stream Ultra, nach der gPV-Sicherung und am Eingang des Gehäuses. So misst der INA228 low-side, und alle vier Ground-Knoten lassen sich sauber auf ein gemeinsames GND zusammenführen. Die vier INA228-Boards werden per Jumper auf die I2C-Adressen 0x40, 0x41, 0x44 und 0x45 konfiguriert (A0/A1-Pads am Board). Der ESP32 versorgt alle vier Boards über den 3,3-Volt-Rail und bildet mit SDA und SCL einen gemeinsamen I2C-Bus. Schematisch pro String sieht die Verdrahtung so aus:
PV Panel (+) ──────────────────────────────────► Stream Ultra MPPT+
PV Panel (-) ──[gPV-Sicherung]──[Shunt 2mΩ]──► Stream Ultra MPPT-
│
├─► INA228 IN+
└─► INA228 IN-
│
I2C: SDA, SCL, 3V3, GND ──► ESP32
Der ESP32 wird über ein separates 5-Volt-USB-C-Netzteil versorgt. Der INA228 misst differentiell über dem Shunt und ist gegen die Messseite isoliert, der ESP32 darf aber keine direkte GND-Brücke zur PV-Seite bekommen. Die Versorgung erfolgt deshalb strikt über USB aus dem Hausnetz, nicht aus einer Panel-Leitung.
Sicherheit ist Pflicht
Vier PV-Panels mit je bis zu 60 Volt Leerlaufspannung ergeben bei Dunkelheit harmlose 0 Volt, im Sonnenlicht aber schnell 240 Volt DC, wenn Sie unabsichtlich eine Serienverbindung schaffen. Gleichstrom-Lichtbögen löschen nicht von selbst und sind lebensgefährlich. Die Installation eines Shunts in den DC-Pfad erfordert deshalb grundsätzlich vollständig abgedeckte Panels. Ein Baumwoll-Tarp reicht nicht, verwenden Sie lichtundurchlässige Rettungsdecken oder arbeiten Sie bei Dunkelheit.
Die gPV-Sicherungen nach DIN EN IEC 60269-6 sind Pflicht. Ohne Stringsicherung erlischt bei einem Fehler jeder Haftpflicht-Schutz. Der Dietronik SH15 ist VdS-konform, IP67-geschützt und für 1000 Volt DC ausgelegt. Zur Herstellergarantie: Wenn Sie ein MC4-Kabel auftrennen und einen Shunt hart einlöten, verlieren Sie die Garantie auf das Panel. Die saubere Variante sind nicht-invasive MC4-Adapter, ein kurzes MC4-auf-Schraubklemme-Stück pro String, das den Shunt in einer Reihenklemme hält, ohne ein Originalkabel zu schneiden. Offgridtec und Staubli führen passende Adapter zwischen 12 und 20 Euro.
ESPHome-Konfiguration
Die ESPHome-Komponente für die INA2xx-Familie unterstützt den INA228 nativ und deckt alle vier I2C-Adressen ab. Die folgende YAML-Datei definiert vier Sensor-Blöcke für einen ESP32-S3 und veröffentlicht pro String drei Werte in Home Assistant: Spannung in Volt, Strom in Ampere und Leistung in Watt. Die Shunt-Werte sind auf den PBV R002 (2 Milliohm) kalibriert, der Strombereich auf 15 Ampere. Details finden Sie auf esphome.io/components/sensor/ina2xx.
esphome:
name: stream-ultra-perpv
esp32:
board: esp32-s3-devkitc-1
framework:
type: arduino
wifi:
ssid: !secret wifi_ssid
password: !secret wifi_password
api:
logger:
ota:
i2c:
sda: GPIO8
scl: GPIO9
scan: true
sensor:
- platform: ina2xx_i2c
model: INA228
address: 0x40
shunt_resistance: 0.002 ohm
max_current: 15 A
adc_range: 0
update_interval: 10s
voltage:
name: "PV1 Spannung"
current:
name: "PV1 Strom"
power:
name: "PV1 Leistung"
- platform: ina2xx_i2c
model: INA228
address: 0x41
shunt_resistance: 0.002 ohm
max_current: 15 A
adc_range: 0
update_interval: 10s
voltage:
name: "PV2 Spannung"
current:
name: "PV2 Strom"
power:
name: "PV2 Leistung"
- platform: ina2xx_i2c
model: INA228
address: 0x44
shunt_resistance: 0.002 ohm
max_current: 15 A
adc_range: 0
update_interval: 10s
voltage:
name: "PV3 Spannung"
current:
name: "PV3 Strom"
power:
name: "PV3 Leistung"
- platform: ina2xx_i2c
model: INA228
address: 0x45
shunt_resistance: 0.002 ohm
max_current: 15 A
adc_range: 0
update_interval: 10s
voltage:
name: "PV4 Spannung"
current:
name: "PV4 Strom"
power:
name: "PV4 Leistung"
Sobald der ESP32 gepflasht ist und WLAN hat, erscheint er in Home Assistant unter Integrationen und wird mit einem Klick übernommen. Die zwölf Sensoren lassen sich danach direkt im Energy Dashboard als vier separate Solar-Producer eintragen, jeder mit seiner eigenen Tageskurve, Monats- und Jahresbilanz.
Was Sie damit gewinnen
Nach dem Setup bekommen Sie pro String drei Werte in Sekunden-Auflösung: Spannung, Strom, Leistung. Insgesamt zwölf Sensoren bei einer Stream Ultra mit vier MPPTs. Das Energy Dashboard nimmt die vier Leistungs-Sensoren als vier separate Solar-Producer auf, und Sie sehen auf einen Blick, welches Panel wie viel erzeugt hat. Ein verschattetes, defektes oder verschmutztes Panel erkennen Sie innerhalb weniger Minuten statt nach Wochen. Ein asymmetrischer String, etwa weil ein Modul einen Micro-Crack hat und nur noch 85 Prozent leistet, fällt sofort auf, wenn der Nachbarstrang bei gleicher Einstrahlung 50 Watt mehr liefert. Der zweite Vorteil: Die Messung ist komplett unabhängig von der EcoFlow Cloud. Selbst wenn die Cloud offline ist oder EcoFlow in fünf Jahren die API einstellt, laufen die per-PV Daten weiter in Home Assistant. Sie messen direkt am DC-Pfad, Ihre Daten gehören Ihnen.
Kosten-Nutzen-Rechnung
Diese Lösung ist kein Schnäppchen, wenn man die eigene Arbeitszeit mitrechnet. Der Materialaufwand liegt im Sensible Build bei rund 180 Euro über Amazon (Prime-frei) oder 162 Euro über Spezialhändler plus Versand. Hinzu kommt die Bauzeit: Vier bis sechs Stunden Löten für Header und Shunt-Anschlüsse, eine bis zwei Stunden ESPHome-Konfiguration, zwei Stunden Installation inklusive Panel-Abdeckung und Shunt-Einschleifen, eine Stunde Kalibrierung mit Referenz-Zangenamperemeter. Insgesamt acht bis elf Stunden, verteilt auf ein bis zwei Tage. Bei einem fiktiven Stundensatz von 50 Euro liegen die realen Gesamtkosten zwischen 590 und 740 Euro. Für ein Hobby-Balkonkraftwerk mit 1,6 kWp steht das nicht im Verhältnis zum Nutzen. Für eine größere Anlage mit 2,4 bis 4 kWp oder für technisch interessierte KMU-Inhaber mit konkretem Diagnose-Problem lohnt es sich. Faustregel aus unseren Kundenprojekten: Ab vier echten MPPT-Strings in unterschiedlichen Ausrichtungen rechtfertigt sich der Aufwand.
Alternative: mitmproxy und API-Reverse-Engineering
Bevor Sie zum Lötkolben greifen, können Sie die software-seitige Route testen. Die EcoFlow-App kommuniziert mit einem privaten Endpoint, der die per-PV Daten in einem JSON-Blob liefert. Mit mitmproxy oder Charles Proxy lässt sich der Traffic mitschneiden, der Endpoint identifizieren und in einem Python-Skript oder n8n-Workflow nachbauen, der die Daten per MQTT oder REST an Home Assistant weiterreicht. Aufwand drei bis fünf Stunden, Kosten null. Der Nachteil: Der Endpoint ist nicht dokumentiert, kann jederzeit verschwinden, und die Authentifizierung läuft über ein Token, das bei jedem App-Update rotieren kann. Für eine Produktiv-Installation nicht akzeptabel, für versierte Privatanwender der schnelle Weg. Unsere Empfehlung: Probieren Sie erst mitmproxy, investieren Sie nur dann in die Hardware, wenn Sie den Software-Weg als zu instabil empfinden.
Häufige Fragen
Verliere ich die EcoFlow-Garantie, wenn ich Shunts in den DC-Pfad einbaue?
Nur, wenn Sie die Originalkabel der Stream Ultra oder der Panels schneiden. Wenn Sie nicht-invasive MC4-Adapter verwenden und den Shunt in einem separaten Gehäuse zwischen Panel-Anschluss und MPPT-Eingang einschleifen, bleibt sowohl die Panel-Garantie als auch die Speicher-Garantie unberührt. Dokumentieren Sie den Aufbau mit Fotos, falls es später zu einem Garantiefall kommt.
Funktioniert die Lösung auch mit der Anker SOLIX Solarbank?
Ja, und zwar ohne Änderung. Der Aufbau ist herstellerunabhängig, weil er im DC-Pfad zwischen Panel und MPPT-Eingang sitzt. Eine Solarbank 2 Pro mit vier MPPTs oder eine Solarbank 3 E2700 Pro mit vier MPPTs lässt sich genauso monitoren. Das ist einer der großen Vorteile der Hardware-Route: Sie ist unabhängig von jeder API und jeder App.
Was ist mit galvanischer Isolation und meiner Hausversicherung?
Die galvanische Trennung zwischen der PV-Seite und der ESP32-Seite erfolgt innerhalb des INA228-Chips selbst, der als high-side oder low-side Monitor differentiell misst. Für die Hausversicherung relevant sind die gPV-Sicherungen in jedem String und eine fachgerechte Erdung des Metall-Gehäuses (wenn vorhanden) über eine PE-Klemme. Sprechen Sie im Zweifelsfall kurz mit Ihrem Versicherer, die meisten Policen decken DIY-Ergänzungen an einer Balkonkraftwerk-Anlage, solange Sie die relevanten Normen einhalten.
Kann ich das ohne Lötkenntnisse bauen?
Nur eingeschränkt. Die Adafruit INA228 Boards kommen mit unbestückten Stiftleisten, die Sie einlöten müssen. Das sind rund 24 Lötstellen insgesamt, alle auf grobem 2,54-Millimeter-Raster und damit anfängerfreundlich. Der Shunt-Anschluss an den Screw-Terminals der Boards ist schraubbar und lötfrei. Wenn Sie noch nie gelötet haben, bestellen Sie einen günstigen Lötübungs-Kit dazu, nach 30 Minuten Übung sind die Header geschafft. Alternative: Fragen Sie im lokalen Makerspace nach Hilfe, die meisten freuen sich über ein konkretes Projekt.
Fazit
EcoFlow liefert in der Stream-Familie starke Hardware mit einer beeindruckenden App, die viele Detaildaten zeigt. Die öffentliche Cloud API und damit auch die HACS-Integration geben diese Detaildaten aktuell nicht heraus, und es gibt wenig Anzeichen, dass sich das kurzfristig ändert. Für die reine Bilanz der Gesamterzeugung ist das kein Problem. Wer vier Strings in unterschiedlichen Ausrichtungen betreibt oder ein konkretes Diagnose-Problem lösen möchte, kommt um eine eigene Messlösung im DC-Pfad nicht herum.
Unsere ehrliche Empfehlung bleibt: Probieren Sie zuerst die Software-Route mit mitmproxy, investieren Sie nur dann in die Hardware, wenn der Aufwand sich rechnet. Wenn Sie sich aber einmal entschieden haben, bekommen Sie mit rund 180 Euro Material aus dem Amazon-Bestellvorgang, einem freien Wochenende und ESPHome eine robuste, herstellerunabhängige Lösung, die in zehn Jahren noch genauso funktioniert wie heute, egal was EcoFlow mit der Cloud macht. Für technisch interessierte KMU-Inhaber, für größere Prosumer-Anlagen und für alle, die ihrer Stromerzeugung wirklich in die Augen schauen wollen, ist das die einzige saubere Lösung, die wir derzeit guten Gewissens empfehlen können.
Quellen
- Upstream Issue: Per-PV Daten für Stream-Familie fehlen: github.com/tolwi/hassio-ecoflow-cloud/issues/582
- Upstream Issue: plugInInfoPv Keys in Firmware: github.com/tolwi/hassio-ecoflow-cloud/issues/584
- Texas Instruments INA228 Datenblatt: ti.com/product/INA228
- Adafruit INA228 Breakout-Board Produktseite: adafruit.com/product/5832
- Eckstein Shop, Adafruit INA228 17,95 EUR: eckstein-shop.de
- ESPHome INA2xx-Komponente (Dokumentation): esphome.io/components/sensor/ina2xx
- BerryBase ESP32-S3-DevKitC-1: berrybase.de
- Dietronik SH15 MC4 Sicherungshalter: dietronik-shop.de
- Isabellenhütte PBV Datenblatt: rhopointcomponents.de
- Reichelt BOPLA Industriegehäuse: reichelt.com
- mitmproxy (für API-Reverse-Engineering): mitmproxy.org
- DIN EN IEC 60269-6 (gPV-Sicherungen, Beuth Verlag): beuth.de
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